Kugellager-Bezeichnung: Tabelle und Erklärung der Kürzel

Was steckt in „6204-2RS-C3"? Jede Zahl, jeder Buchstabe einer Kugellager-Bezeichnung hat eine Bedeutung — nur leider nicht bei jedem Hersteller dieselbe. Diese Seite liefert die vollständige Hersteller-Vergleichstabelle plus eine kompakte Erklärung des Bezeichnungsschemas.

Aufbau einer Kugellager-Bezeichnung

Eine Bestellbezeichnung besteht aus bis zu vier Teilen. Lagerreihe und Bohrungskennzahl bilden gemeinsam das Basiskennzeichen — daraus lassen sich Bauart und Innendurchmesser direkt ablesen.

Vorsetzzeichen
Optional vorangestellt — z. B. für Material oder modifizierte Bauformen
Lagerreihe
Bauart und Maßreihe (z. B. 60 = Rillenkugellager, leichte Reihe)
Bohrungskennzahl
Codierte Bohrung — ab Code 04 ergibt sich der Innendurchmesser durch ×5
Nachsetzzeichen
Dichtung, Käfig, Lagerluft, Genauigkeit — herstellerabhängig

Beispiele lesen

62042RS-C3
Rillenkugellager der Reihe 62, Bohrung 20 mm, beidseitig gedichtet, erweiterte Lagerluft
HR31309J
Kegelrollenlager (HR-Bauart), Reihe 313, Bohrung 45 mm, Stahlblechkäfig
608ZZ
Miniatur-Rillenkugellager der Reihe 60, Bohrung 8 mm, beidseitig gedeckelt
Häufige Lagerreihen
60Rillenkugellager (leichte Reihe)
62Rillenkugellager (mittlere Reihe)
72Schrägkugellager
23Pendelrollenlager
313Kegelrollenlager
Bohrungskennzahl → Bohrung
0010 mm
0112 mm
0215 mm
0317 mm
04 – 99Code × 5 mm
/500≥ 500 mm direkt
Häufige Nachsetzzeichen
2RSbeidseitig gedichtet
ZZbeidseitig gedeckelt
C3erweiterte Lagerluft
P5höhere Maßgenauigkeit
Mmassiver Messingkäfig
Nachsetzzeichen suchen oder filtern
Geben Sie ein Nachsetzzeichen ein oder filtern Sie nach Lagertyp und Hersteller.

Allgemein

1 Deckscheibe
FAGZ
KOYOZ
NACHIZ(E)
NKEZ
NSKZ
NTNZ
SKFZ
SNRZ
STC SteyrZ
TimkenZ
ZENZ
2 Deckscheiben
FAG2Z
KOYOZZ
NACHIZZ(E)
NKE2Z
NSKZZ
NTNZZ
SKFZZ
SNRZZ
STC SteyrZZ
TimkenZZ
ZENZZ
1 Dichtscheibe
FAGRSR
KOYORS
NACHINSL
NKERSR
NSKDU
NTNLU
SKFRS1, RSH
SNRE
STC SteyrRS
TimkenRS
ZENRS
2 Dichtscheiben
FAG2RSR, 2HRS
KOYO2RS, 2RK
NACHI2NSL, 2NSE(9)
NKE2RSR, 2RS2
NSKDDU
NTNLLU
SKF2RS1, 2RSH
SNREE
STC Steyr2RS
Timken2RS
ZEN2RS
1 reibungsarme Dichtung
KOYO2RD
SKFRSL
2 reibungsarme Dichtungen
KOYO2RD
SKF2RSL
1 berührungsfreie Dichtung
FAGBRS
KOYO2RU
NACHINKE(9)
NSKV
NTNLB
SKFRZ
STC SteyrRZ
TimkenRZ
ZENDU
2 berührungsfreie Dichtungen
FAG2BRS
KOYO2RU
NACHI2NKE(9)
NSKVV
NTNLLB
SKF2RZ
STC Steyr2RZ
Timken2RZ
ZEN2DU
Erhöhte Lagerluft
FAGC3
KOYOC3
NACHIC3
NKEC3
NSKC3
NTNC3
SKFC3
SNRJ30
STC SteyrC3
TimkenC3
ZENC3

Zylinderrollenlager

Kunststoffkäfig
FAGTVP2
KOYOFG, MG
NACHIG
NKETVP, TVP3
NSKT, T7
NTNT2
SKFP
SNRG15
STC SteyrP
Stahlkäfig
FAG-, JP3, JP1
KOYO•
NACHI•
NKE•
NSKW
NTNJ
SKFJ
SNRG13, G28
STC SteyrJ, F
TimkenJ
Messingkäfig
FAGM1, M1A
KOYOFY, LY, FW
NACHIMY, M2
NKEM, M6, MA
NSKM
NTNL1
SKFMA, M, ML
SNRM
STC SteyrM, MA, MP
TimkenM, MA, MB
Verstärkte Innenkonstruktion
FAGE, EX
KOYOR
NACHIE
NKEE
NSKE
NTNE
SKFEC
SNRE
STC SteyrE
TimkenE

Pendelrollenlager

Kunststoffkäfig
FAGTVPB
NSKT
SNRG15
Stahlkäfig
FAG•, FB1, BE
KOYO•, RA, RHR
NACHIEX, EX1, E
NKECE, E
NSKC, CD, EA
NTNJ
SKFC(J), CC
SNRA
STC SteyrCC
TimkenJ
Messingkäfig
FAGMA, M, MB
KOYOFY, RH, RHA, RR
NACHI•
NKEMB
NSKCAM, M, MB
NTNL1
SKFCA, CAC
SNRM, MB
STC SteyrCA, MB
TimkenEM/YM, YMD
Schmiernut & -bohrungen
FAGS, •
KOYOW33
NACHIW33
NKEW33
NSKE4, W33
NTND1
SKFW33
SNRB33
STC SteyrW33
TimkenW33
Verstärkte Innenkonstruktion
FAGE, E1, E1A
KOYO•
NACHIEXQ
NKEE
NSKE, •
NTNE
SKFE
SNRE
STC SteyrE
TimkenE
Schwingsieblagerausführung
FAGT41A, T41D
KOYOROVS502
NACHIV
NKESQ34
NSKU15VS, VB
NTNUAVS1
SKFVA405, VA406
SNRF800
STC SteyrF80
TimkenW800

Pendelkugellager

Kunststoffkäfig
FAG(TV), TVH
KOYOTNH
NACHIG
NKETV
NSKTNG
NTNTNH
SKFTN, TN9
SNRG14, G15
STC SteyrTV, TN
ZENTNH
Stahlkäfig
FAG-, (•)
KOYOFC
NACHI•
NKE•
NSKJ, •
NTN•
SKFJ, •
SNR•
STC SteyrJ
ZEN•
Messingkäfig
FAGM
KOYOFY
NSKM
NTNM
SKFM
SNRM
STC SteyrM

Kegelrollenlager (metrisch)

ISO Außenmaße
FAGX
KOYOJ
NACHIJ
NKEX
NSKX
NTNXU, U
SKFX
SNRX
STC SteyrX
TimkenX

Rillenkugellager

Kunststoffkäfig
FAGTVH
KOYOFG, MG
NACHIG
NKETV
NSKTNG
NTNT2
SKFTN9
SNRG14, G15
STC SteyrTV, TN
TimkenTN1
ZENT9H
Stahlkäfig
FAG•
KOYO•
NACHI•
NKE•
NSK•
NTNJ
SKF•
SNR•
STC Steyr•
Timken•
ZEN•
Messingkäfig
FAGM, MA
KOYOFY
NACHIM
NKEM, MA
NSKM
NTNL1
SKFM, MA
SNRMA, M, MB
STC SteyrM
TimkenM, MA, MB
ZENM
Verstärkte Innenkonstruktion
FAGB, C
KOYOR
SKFE
SNRA
STC SteyrE
Timken+

Schrägkugellager (einreihig)

Druckwinkel 30°
FAG•
KOYO•, A
NACHI•
NKEA
NTN•
SKFA
STC SteyrA
Druckwinkel 40°
FAGB
KOYOB
NACHIB
NKEB
NSKB
NTNB
SKFB
SNRB
STC SteyrB
TimkenB
ZENB
Kunststoffkäfig
FAGTVP, TVH
KOYOFT, TN
NACHIY
NKETVP
NSKT85
NTNT2
SKFP
SNRA
STC SteyrP
TimkenTN1
ZEN•
Stahlkäfig
FAGJP
KOYO•
NACHI•
NKEJ
NSKW
NTNJ
SKFJ, F
STC SteyrJ
TimkenJ
Messingkäfig
FAGMP
KOYOFY
NACHIM
NKEMP
NSKM, •
NTNL1
SKFM
SNRM, MB, MA
STC SteyrM, MP
TimkenM

Schrägkugellager (zweireihig)

Druckwinkel 25°
FAGB
KOYOAC
NSKB
NTN•
SNRA
Druckwinkel 30°
FAGBD
KOYO-, (A)
NACHIA
SKFA
STC SteyrB
TimkenA
Druckwinkel 32°
KOYO•
NKEB
NSK•
SKFA
SNRB
Druckwinkel 35°
FAG•
KOYOE
NKE•
Druckwinkel 40°
KOYOB
ZEN•
Druckwinkel 45° + geteilter IR
FAGDA
KOYODAC
NKED
SKFD
STC SteyrDA
Stahlkäfig
FAG•
KOYO•
NACHI•
NKE•
NSKJ, •
NTN•
SKFJ1, •
SNR•
STC SteyrJ
TimkenJ
Kunststoffkäfig
FAGTVH
KOYOFY
NKETV
NSKTNG
SKFTN9
SNRG15
STC SteyrTV, TN
TimkenTN1
Messingkäfig
FAGM, MA
KOYOMN
NKEM
NSKM
SKFM, MA
SNRM
STC SteyrM
Wird nicht hergestellt
Standard / implizit (vom Hersteller nicht explizit angegeben)
+Suffix-Code wird vom Hersteller nicht explizit angegeben

Wer schon einmal vor einem alten Lager im Schraubstock stand und versucht hat, aus „6204-2RS-C3" die richtige Ersatzteilnummer zu rekonstruieren, weiß: Die Kugellager-Bezeichnung ist kein Hexenwerk, aber sie ist auch kein Selbstläufer. Jeder Buchstabe und jede Zahl hat eine Bedeutung — nur sind die Bedeutungen je nach Hersteller mal identisch, mal frustrierend unterschiedlich. Diese Seite liefert die vollständige Tabelle der Kugellager-Bezeichnungen, ergänzt um eine kompakte Erklärung des Schemas, das hinter den Kürzeln steckt.

Die große Vergleichstabelle für Nachsetzzeichen verschiedener Hersteller (FAG, SKF, NSK, NTN, Koyo, NACHI, NKE) finden Sie oben auf dieser Seite. Davor lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wie eine Lagerbezeichnung überhaupt aufgebaut ist — sonst sucht man in der Tabelle nach dem falschen Teil.

So liest man eine Kugellager Bezeichnung

Die Bezeichnung eines Wälzlagers folgt einem genormten Schema, festgelegt unter anderem in DIN 623 Teil 1 und ISO 15. Das klingt formal, ist im Alltag aber sehr praktisch: Wer das Schema einmal verstanden hat, kann aus jeder Lagernummer die wichtigsten technischen Daten ablesen, ohne den Katalog aufzuschlagen.

Ein vollständiger Lagercode besteht aus drei Blöcken:

Vorsetzzeichen — Baureihe & Bohrung — Nachsetzzeichen.

Beispiel 6204-2RS-C3:

  • 6 steht für die Lagerart (einreihiges Rillenkugellager)
  • 2 ist die Maßreihe (Außendurchmesser- und Breitenklasse)
  • 04 ist die Bohrungskennzahl — bei Werten von 04 bis 96 multipliziert man sie mit 5, hier also 20 mm Wellendurchmesser
  • 2RS heißt: zwei berührende Dichtungen aus Gummi, beidseitig
  • C3 bezeichnet erweitertes Lagerspiel, etwa für höhere Drehzahlen oder Wärmedehnung

Die ersten Ziffern sind also die Bauform, die Mitte ist Geometrie, und alles, was hinten dranhängt, beschreibt Ausführungsdetails. Genau bei diesen Details fängt der eigentliche Knackpunkt an — denn jeder Hersteller kocht hier ein bisschen sein eigenes Süppchen. Bevor wir aber dorthin kommen, lohnt sich ein Blick auf den allerersten Teil: die Baureihe.

Baureihen-Tabelle: Was die ersten Ziffern (oder Buchstaben) verraten

Die führenden Zeichen einer Lagerbezeichnung sagen, mit welcher Lagerart man es zu tun hat. 62 ist ein einreihiges Rillenkugellager, NU22 ein Zylinderrollenlager, QJ ein Vierpunktlager. Die folgende Tabelle deckt die im Lieferprogramm üblichen Baureihen ab und ist nach Lagerart gruppiert — so findet man die richtige Zeile schneller, als wenn alles streng numerisch sortiert wäre.

Rillenkugellager und Schrägkugellager

Baureihe

Lagertyp

60, 62, 63, 64, 160, 161, 622, 623, 630

Rillenkugellager, einreihig (verschiedene Maßreihen, ZZ und 2RS-Varianten verfügbar)

607…699

Kleinrillenkugellager unter 10 mm Bohrung (auch ZZ und 2RS)

6800 = 618, 6900 = 619

Rillenkugellager, Dünnring (auch ZZ und 2RS)

42, 43

Rillenkugellager, zweireihig

72, 73

Schrägkugellager, einreihig (auch BG)

718

Schrägkugellager

52

Schrägkugellager (ZZ, auch 2RS)

30, 32, 33, 38

Schrägkugellager, zweireihig (auch ZZ und 2RS)

BO, E, L

Schulterkugellager

QJ

Vierpunktlager

Pendelkugel- und Pendelrollenlager

Baureihe

Lagertyp

12, 13, 22, 23 (auch K und 2RS)

Pendelkugellager

108…135

Pendelkugellager

112, 113

Pendelkugellager mit breitem Innenring

213

Pendelrollenlager

222, 223, 230, 231, 232, 239, 240, 241

Pendelrollenlager

Kegelrollen- und Zylinderrollenlager

Baureihe

Lagertyp

302, 303, 320, 322, 313, 323, 331, 332

Kegelrollenlager

N, NJ, NU, NUP (jeweils 2, 3, 10, 22, 23)

Zylinderrollenlager, einreihig (Vorsetzbuchstabe gibt Bordausführung an)

SL-04

Zylinderrollenlager

Axiallager

Baureihe

Lagertyp

511, 512, 513, 514, 522, 523, 532, 533

Axial-Rillenkugellager, einseitig

AKL

Axial-Rillenkugellager unter 100 mm Bohrung

811, 812 (mit K-, GS-, WS-Komponenten)

Axial-Zylinderrollenlager (Lager, Käfig, Gehäuse- und Wellenscheiben)

893

Axial-Zylinderrollenlager

AS

Axial-Lagerscheiben

AXK

Axial-Nadelkränze

AXW

Axial-Nadellager mit zentrierender Scheibe

NX

Nadel-Axial-Kugellager

NKX

Nadel-Axial-Kugellager

NKXR

Nadel-Axial-Zylinderrollenlager

Nadellager und Stützrollen

Baureihe

Lagertyp

NA48, NA49, NA69

Nadellager mit Innenring

NAO

Nadellager ohne Borde, mit Innenring

NK, NKI, NKS, NKIS

Nadellager (mit/ohne Innenring)

RNA48, RNA49, RNA6

Nadellager ohne Innenring

RNAO

Nadellager ohne Borde, ohne Innenring

RPNA

Einstell-Nadellager

HK (auch RS und 2RS)

Nadelhülsen, auch abgedichtet

BK (auch RS)

Nadelbüchsen

K-

Nadelkränze

NKIA, NKIB

Nadel-Schrägkugellager

NA22…-2RS, RNA22-2RS

Stützrolle

NATR, NATV, NUTR

Stützrollen mit Axialführung

RSTO, STO

Stützrollen ohne Axialführung

KR, KRV, KRE, KRVE, KUKR

Kurvenrollen, mit Axialführung

NUKR

Kurvenrollen

Linear- und Gelenklager

Baureihe

Lagertyp

KH, KH..P, KH..PP

Kugelhülsen

LBE

Kugelbüchsen

GE

Gelenklager (Radial-, Axial-, Schräg-)

GU

Gelenklager

GAR, GAL

Gelenklager mit Außengewinde (R = Rechts-, L = Linksgewinde)

GIR, GIL

Gelenklager mit Innengewinde

GAKFR, GAKFL

Gelenkköpfe mit Außengewinde

GIKFR, GIKFL

Gelenkköpfe mit Innengewinde

GIPFR, GIPFL

Gelenkköpfe mit Innengewinde

GF, GK

Hydraulik-Gelenkköpfe

GIHR, GIHL, GIHN, GIHO

Hydraulik-Gelenkköpfe

Zubehör und Gehäuse

Bezeichnung

Bauteil

AH3, AH23, AHX31, AHX3

Abziehhülsen

H2, H3, H23, H30, H31

Spannhülsen

KM

Wellenmuttern

MB

Sicherungsbleche

IR, LR

Innenringe

LR 50, LR 52, LR 53, LR 60, LR 6, LR 2

Laufrollen

LS

Laufscheiben

FR

Festringe

FI

Filzringe

G, SD

Dichtringe für Nadellager

HF, HFL

Hülsenfreiläufe

F-5

Flanschlagergehäuse

I-1200 = F112

Flanschlagergehäuse

SN, SNA

Stehlagergehäuse, geteilt (Guss)

TN

Stehlagergehäuse, ungeteilt (Guss)

Eine kleine Eigenheit am Rande: Die Schreibweisen 6800 = 618 und 6900 = 619 sind keine Tippfehler. Es handelt sich um dieselbe Lagerreihe — historisch unter zwei Bezeichnungen geführt. In Katalogen tauchen beide Varianten auf, gemeint ist aber jeweils dasselbe Dünnringlager.

Die Tücken der Hersteller-Kürzel

Solange es um Bauform und Bohrungskennzahl geht, sprechen FAG, SKF, NSK und Co. dieselbe Sprache. Bei den Nachsetzzeichen wird's bunt. Eine beidseitig berührende Dichtung heißt bei SKF und FAG 2RS (oder 2RSR), bei NSK schreibt man DDU, bei Koyo 2RS oder 2RK, bei NACHI 2NSL und bei NTN LLU. Inhaltlich dasselbe — vom Code her vier verschiedene Welten.

Das Ding ist: In der Praxis kauft man nicht immer beim selben Hersteller. Wenn ein FAG-Lager ausgetauscht werden soll, das alte aber gerade nicht lieferbar ist, muss man wissen, welches NSK- oder NTN-Pendant funktional dasselbe macht. Genau dafür gibt es die Vergleichstabelle weiter unten. Sie übersetzt zwischen den Welten — Eigenschaft für Eigenschaft, Hersteller für Hersteller.

Die wichtigsten Nachsetzzeichen im Überblick

Bevor Sie in die große Tabelle einsteigen, hier die Kürzel, die im Alltag mit Abstand am häufigsten auftauchen. Wer sie auswendig kennt, liest 80 Prozent aller Bezeichnungen ohne Nachschlagen.

Dichtungen und Deckscheiben

  • Z / 2Z (auch ZZ): einseitig bzw. beidseitig durch Metallscheibe abgedeckt — Schutz gegen groben Schmutz, kein Wasserschutz
  • RS / 2RS (FAG: RSR / 2RSR): einseitig bzw. beidseitig berührende Gummidichtung — schützt zusätzlich vor Feuchtigkeit
  • BRS / 2BRS: berührungsfreie Labyrinthdichtung — minimaler Reibwiderstand, Standard bei FAG Generation C

Lagerluft (radiales Spiel)

  • C2: kleiner als Normalspiel
  • CN (oder weggelassen): Normalspiel
  • C3: größer als Normalspiel — sehr häufig bei Elektromotoren, höherer Drehzahl, Wärmeausdehnung
  • C4, C5: noch größeres Spiel, meist Sonderanwendung

Käfigwerkstoff

  • J: Stahlblechkäfig (häufig Standard)
  • M (oder MA, M1): Messingmassivkäfig — robust, hochbelastbar
  • TVH, TVP, TN, TNH: Polyamid- oder PEEK-Käfige für hohe Drehzahlen oder Sonderanforderungen

Toleranz / Genauigkeitsklasse

  • P0 oder PN: Normaltoleranz (wird oft nicht angegeben)
  • P6, P5, P4: zunehmend höhere Maß- und Laufgenauigkeit nach ISO

Damit lässt sich der Großteil aller in Werkstatt und Konstruktion auftauchenden Bezeichnungen bereits entschlüsseln. Für alles, was darüber hinausgeht — Käfigsondervarianten, Schmiernuten, Schwingsiebausführungen, herstellerspezifische Codes — hilft die Vergleichstabelle.

Bohrungskennzahl: Der Code für die Wellendurchmesser

Eine kleine Sache, die immer wieder für Verwirrung sorgt: die zwei Stellen direkt vor den Nachsetzzeichen. Bei einem Lager 6204 sind das die Ziffern 04. Sie geben den Wellendurchmesser in einem speziellen Code an — nicht direkt in Millimetern.

Die Logik ist gestaffelt:

  • Bohrungskennzahl 00 = 10 mm
  • 01 = 12 mm
  • 02 = 15 mm
  • 03 = 17 mm
  • ab 04 aufwärts: Bohrungskennzahl × 5 = Wellendurchmesser in mm

Ein 6204 hat also 20 mm Bohrung, ein 6307 hat 35 mm, ein 6212 hat 60 mm. Sonderdurchmesser wie 28 oder 32 mm werden mit einem vorangestellten Schrägstrich angegeben, etwa 60/28. Klingt erstmal kompliziert, ist aber durchgängig logisch — und mit etwas Übung läuft das Umrechnen automatisch im Kopf mit.

Vorsetzzeichen — die seltener genutzten Codes

Vor der eigentlichen Lagernummer steht manchmal noch ein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination. Diese Vorsetzzeichen sind seltener, aber im Spezialfall wichtig:

  • R bei FAG: Innen- oder Außenring einzeln
  • K bei NSK und FAG: Kegelrollenlager-Außenring
  • WS / GS: Wellen- bzw. Gehäusescheibe bei Axial-Rillenkugellagern
  • HR bei NSK: ursprüngliches NSK-Vorsetzzeichen
  • LR: Lager mit Spannhülse

Wer ein Lager im Katalog nicht findet, sollte zuerst prüfen, ob das Vorsetzzeichen vielleicht weggelassen oder ergänzt wurde — das ist eine der häufigeren Fehlerquellen bei der Suche.

Wann sich der Blick in die Vergleichstabelle wirklich lohnt

Drei Situationen treten in der Werkstatt immer wieder auf:

Erstens: Ersatzbeschaffung mit Markenwechsel. Das alte Lager ist FAG, lieferbar ist nur NSK. Man braucht das funktional identische Gegenstück, nicht die nominell ähnliche Nummer.

Zweitens: Konstruktionsfreigabe. Im Lastenheft steht ein bestimmter Hersteller, in der Stückliste taucht ein anderer auf. Stimmen die Spezifikationen wirklich überein, oder ist das nur optisch ähnlich?

Drittens: Datenblatt-Übersetzung. Ein japanischer Maschinenbauer liefert mit Koyo-Lagern, der europäische Service tauscht gegen SKF. Damit es passt, müssen die Nachsetzzeichen sauber gematcht werden.

In all diesen Fällen erspart die Tabelle weiter unten viel Sucherei in Katalogen und Datenblättern. Sie ersetzt natürlich nicht das technische Datenblatt für Grenzfälle — aber für die saubere Erstidentifikation ist sie das schnellste Werkzeug, das wir kennen.

Häufige Fragen zu Kugellager-Bezeichnungen

Was bedeutet 2RS bei einem Kugellager?

2RS steht für eine beidseitige, berührende Dichtung — meist aus Nitril-Kautschuk (NBR). Das Lager ist damit gegen Staub und Spritzwasser geschützt und ab Werk für die gesamte Lebensdauer gefettet. Bei FAG findet sich häufig die Variante 2RSR, inhaltlich dasselbe.

Was ist der Unterschied zwischen 2RS und ZZ?

ZZ (auch 2Z) sind beidseitige Metalldeckscheiben. Sie schützen gegen groben Schmutz, lassen das Lager aber „atmen" — Wasser oder feiner Staub kommen durch. 2RS mit Gummidichtung ist dichter, hat aber etwas mehr Reibung und damit eine niedrigere Drehzahlgrenze. Faustregel: ZZ bei sauberen, trockenen, schnellen Anwendungen; 2RS bei Feuchtigkeit oder Schmutz.

Was bedeutet C3 bei Kugellagern?

C3 bezeichnet ein gegenüber der Norm vergrößertes Radialspiel. Eingesetzt wird es vor allem dort, wo das Lager im Betrieb thermisch belastet ist — Elektromotoren, Pumpen, Lager mit Presspassung. Das größere Anfangsspiel wird durch die Wärmedehnung des Innenrings im Betrieb auf Normalspiel reduziert.

Was heißt P5 oder P6 bei einem Lager?

Beides sind ISO-Toleranzklassen für Maß- und Laufgenauigkeit. P6 ist genauer als die Normaltoleranz P0, P5 nochmals genauer, P4 und P2 sind höchste Präzisionsklassen. In Werkzeugmaschinenspindeln oder bei hochdrehenden Anwendungen sind P5 oder besser üblich, im allgemeinen Maschinenbau reicht meist P0.

Wie finde ich heraus, ob zwei Lager unterschiedlicher Hersteller identisch sind?

Bauform und Hauptmaße müssen übereinstimmen — also etwa beide 6204. Bei den Nachsetzzeichen hilft die Vergleichstabelle: 2RS (FAG) entspricht funktional DDU (NSK), 2NSL (NACHI) und LLU (NTN). Bei Sonderausführungen wie verstärkten Innenringen oder Schwingsiebausführungen lohnt sich vor dem Tausch zusätzlich ein Blick ins Datenblatt — kleine Unterschiede gibt es manchmal trotzdem.

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