Kegelrollenlager

Kegelrollenlager nehmen kombinierte radiale und axiale Lasten auf und zählen zu den Wälzlagern nach DIN 720 und ISO 355. Eingesetzt werden sie in Getrieben, Radlagerungen, Walzwerken und Bau- sowie Landmaschinen, wo hohe Belastungen bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen auftreten. Im Sortiment von Partbase finden Sie einreihige, zweireihige sowie axiale Ausführungen von SKF, FAG, INA, Schaeffler und Bosch Rexroth in metrischen und zölligen Maßen.

Kegelrollenlager auswählen, einstellen und einbauen

Ein Kegelrollenlager überträgt radiale und axiale Kräfte über kegelförmige Wälzkörper, die zwischen einem konischen Innenring (Cone) und einem konischen Außenring (Cup) abrollen. Die Scheitelpunkte aller Kegelflächen treffen sich auf der Lagerachse, was einen reibungsarmen Lauf und eine gleichmäßige Lastverteilung sichert. Das Lager wird typischerweise paarweise gegeneinander angestellt, um axiales Spiel definiert einzustellen.

Aufbau und Funktionsprinzip

Ein Kegelrollenlager besteht aus vier Bauteilen: dem Innenring mit Bord, dem Außenring, den kegelförmigen Rollen und dem Käfig. Innenring, Käfig und Wälzkörper bilden eine Einheit, die als Cone bezeichnet wird. Der separate Außenring heißt Cup und ist in der Regel zerlegbar montierbar. Durch die kegelige Geometrie liegen die Rollen in Linienberührung an beiden Laufbahnen an. Dadurch verteilt sich die Last gleichmäßig, und das Lager kann hohe Radial- und Axialkräfte gleichzeitig aufnehmen. Der Druckwinkel zwischen Außenringlaufbahn und Lagerachse bestimmt das Verhältnis von radialer zu axialer Tragfähigkeit. Steile Druckwinkel erhöhen die Axialtragzahl, flache Winkel sind für überwiegend radiale Belastung ausgelegt. Eine zweireihige Ausführung nimmt Axialkräfte in beiden Richtungen auf und erlaubt eine kompaktere Lagerstelle.

Bauformen und Maßsysteme

Kegelrollenlager sind in einreihiger, zweireihiger und vierreihiger Bauform verfügbar. Einreihige Lager der Reihe 302, 303, 320, 322 und 332 nach DIN 720 sind die häufigste Bauform im Maschinenbau. Typische Vertreter dieser Reihe sind etwa das SKF 30203, das SKF 30204 J2/Q oder das SKF 30205 J2/Q, die sich durch kompakte Abmessungen und hohe Tragzahlen auszeichnen. Vierreihige Ausführungen werden in Walzgerüsten und schweren Getrieben eingesetzt. Axial-Kegelrollenlager nehmen ausschließlich axiale Kräfte mit zusätzlicher Kippmomentbelastung auf und kommen in Pressen und Hubeinrichtungen zum Einsatz. Neben metrischen Maßreihen sind zöllige Lager nach ABMA verbreitet, etwa in Achsen US-amerikanischer Bauart. Bei der Auswahl prüfen Sie Bohrungsdurchmesser, Außendurchmesser, Lagerbreite und Druckwinkel anhand der Maßtabelle des Herstellers.

Bauform

Lastrichtung

Typische Anwendung

Einreihig (Reihe 302/303)

Radial + axial einseitig

Getriebewellen, Radnaben

Zweireihig (TDO/TDI)

Radial + axial beidseitig

Industriegetriebe, Walzwerke

Vierreihig

Hohe Radial- und Axiallast

Walzgerüste, Schwermaschinen

Axial-Kegelrollenlager

Rein axial mit Kippmoment

Pressen, Drehtische

Auswahl- und Einstellkriterien

Bei der Auslegung eines Kegelrollenlagers sind dynamische und statische Tragzahl, Drehzahlgrenze, Schmierungsart und Betriebstemperatur entscheidend. Da das Lager paarweise eingebaut wird, muss das Axialspiel beim Einbau eingestellt werden. Die Einstellung erfolgt über Wellenmuttern, Distanzscheiben oder kalibrierte Passscheiben gegen das zweite Lager.

  1. Lastfall analysieren: Verhältnis von Radial- zu Axialkraft bestimmt den Druckwinkel
  2. Bauform festlegen: einreihig in O- oder X-Anordnung, zweireihig oder vierreihig
  3. Maße aus Lagertabelle nach DIN 720 oder ISO 355 ablesen
  4. Lagerluft beziehungsweise Vorspannung gemäß Herstellerangabe einstellen
  5. Schmierstoff und Dichtkonzept auf Drehzahl und Temperatur abstimmen

Verschleißbilder und Lagerschäden

Ein defektes Kegelrollenlager kündigt sich durch erhöhte Laufgeräusche, Vibrationen, Temperaturanstieg und sichtbaren Abrieb im Schmierstoff an. Typische Schadensbilder sind Pittings auf den Laufbahnen, Riffelbildung durch Stillstandsmarkierungen, Käfigbruch sowie Verfärbungen durch Überhitzung. Ursachen sind meist falsche Vorspannung, mangelhafte Schmierung, Verunreinigungen oder Stromdurchgang in elektrischen Antrieben. Bei der Demontage prüfen Sie Wälzkörper und Laufbahnen auf Eindrücke und messen die Restlagerluft. Ein gepaarter Innen- und Außenring sollte stets gemeinsam getauscht werden, da Cone und Cup als Einheit eingelaufen sind. Führende Hersteller liefern dazu passende Werkzeuge zur fachgerechten Montage und Demontage.

FAQ

Warum Kegelrollenlager statt Rillenkugellager verwenden?

Kegelrollenlager sind die richtige Wahl, wenn hohe kombinierte Radial- und Axialkräfte bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen auftreten. Die Linienberührung der kegelförmigen Rollen verteilt die Last über eine größere Fläche als die Punktberührung von Kugellagern, was die Tragfähigkeit und Stoßlastbeständigkeit deutlich erhöht. Rillenkugellager bleiben vorteilhaft bei hohen Drehzahlen und geringer Axiallast.

Wann ist ein Kegelrollenlager defekt?

Ein Kegelrollenlager gilt als defekt, wenn es ungewöhnliche Laufgeräusche, Vibrationen, erhöhte Betriebstemperatur oder erkennbares axiales Spiel zeigt. Sichtbare Anzeichen sind Pittings und Riffelbildung auf den Laufbahnen, Käfigbruch sowie metallischer Abrieb im Schmierstoff. Cone und Cup sollten stets gemeinsam getauscht werden, da beide Teile als Einheit eingelaufen sind.

Wie wird ein Kegelrollenlager richtig eingestellt?

Die Einstellung erfolgt beim paarweisen Einbau durch axiales Verschieben eines Innenrings über Wellenmuttern, Distanzhülsen oder kalibrierte Passscheiben. Ziel ist die vom Hersteller vorgegebene Lagerluft oder Vorspannung. Zu hohe Vorspannung erhöht Reibung und Temperatur, eine zu lose Einstellung verursacht Schwingungen und vorzeitigen Verschleiß. Die Herstellerangaben von SKF oder Schaeffler sind dabei verbindlich.

Welche Maße und Normen gelten für Kegelrollenlager?

Metrische Kegelrollenlager sind nach DIN 720 und ISO 355 genormt; zöllige Ausführungen folgen dem ABMA-Standard und sind besonders in Achsen nordamerikanischer Bauart verbreitet. Angegeben werden Bohrungsdurchmesser d, Außendurchmesser D, Gesamtbreite T sowie die Einzelbreiten von Cone und Cup. Verbreitete metrische Reihen sind 302, 303, 320, 322 und 332. Die genauen Werte entnehmen Sie der Maßtabelle des jeweiligen Herstellers.

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