Wälzlager-Schmierfett-Rechner

Online-Rechner für die Schmierfettauslegung von Wälzlagern: Erstfettmenge, Nachschmiermenge nach SKF-Faustformel (G = 0,005·D·B) und Nachschmierintervall nach Schaeffler-TPI 176 mit den 5 Korrekturfaktoren für Temperatur, Belastung, Verschmutzung, Einbaulage und Schwingung.

Lagergeometrie & Drehzahl

mm
mm
mm
rpm
Mittlerer Durchmesser dm = (D+d)/280 mm
n · dm120.000 min⁻¹·mm/ 500.000

Betriebsbedingungen

Korrekturfaktoren reduzieren das Basisintervall an die realen Einsatzbedingungen.

70 °C

Verhältnis der dynamischen Belastung zur Tragzahl P/C — qualitativ.

Sauberkeit der Umgebung und Eindringschutz (Dichtung).

Seitlich (Nippel auf Lagerseite) oder durch Bohrung im Außen-/Innenring.

h/d

Für die Umrechnung Stunden → Kalendertage und Jahresverbrauch.

Sensitivität: Intervall vs. Temperatur

Wie sich das Nachschmierintervall mit der Lagertemperatur ändert. Marker zeigt den aktuellen Betriebspunkt.

Ergebnis

ErstfettmengeBeim erstmaligen Befüllen des sauberen Lagers91,6 g203,6 cm³ · 50%
NachschmiermengePro Schmierzyklus14,9 g
Nachschmierintervall tfEffektive Betriebsstunden zwischen Nachschmierungen284 h12 Tage
JahresverbrauchGeschätzt bei angegebener Betriebszeit459 g/a

Korrekturfaktoren

Basis tf0 (70 °C, sauber, horizontal)723 h
KT · Temperatur1
KP · Belastung0,7
KR · Verschmutzung0,7
KU · Einbaulage1
KS · Schwingung0,8
Effektives Intervall tf284 h

Fett-Empfehlung

NLGINLGI 2
Grundöl-ViskositätISO VG 100–150
VerdickerLithium / Lithium-Komplex

So funktioniert der Rechner

Erstfettmenge

Die Erstfettmenge orientiert sich am freien Lagerinnenvolumen . Bei langsamen Lagern () wird bis zu 90 % gefüllt, bei sehr schnellen Lagern nur 30 %, um Reibungswärme zu vermeiden.

Nachschmiermenge (SKF)

SKF-Faustformel für die Nachschmiermenge: 0,005 · D · B (g) bei seitlicher Fettzufuhr, 0,002 · D · B (g) bei Nachschmierung durch eine Bohrung im Außen- oder Innenring.

Basis-Nachschmierintervall

Das Basis-Nachschmierintervall hängt vom Lagertyp (Faktor ), der Drehzahl und dem mittleren Lagerdurchmesser ab. Die Formel folgt der SKF/Lechner-Methode und gilt bei 70 °C, sauberer Umgebung und horizontaler Einbaulage.

Korrekturfaktoren (Schaeffler)

Die fünf Korrekturfaktoren der Schaeffler-TPI 176 reduzieren das Basisintervall an reale Betriebsbedingungen: Temperatur , Belastung , Verschmutzung , Einbaulage und Schwingung .

Alle Werte sind Richtwerte zur Auslegungs-Orientierung. Für sicherheitskritische Anwendungen oder bei Abweichung von Standardbedingungen ziehen Sie bitte das Hersteller-Datenblatt, das SKF-Bearing-Calculator-Tool oder einen Schmierstoffspezialisten hinzu.

Lagertypfaktoren & Drehzahlgrenzen

Werte K für die Basis-Intervallformel und Grenzwerte n·dm für Fettschmierung.

LagertypK (Lagerfaktor)n·dm Grenzwert (Fett)
Rillenkugellager1500.000 min⁻¹·mm
Schrägkugellager0,5500.000 min⁻¹·mm
Pendelkugellager1500.000 min⁻¹·mm
Vierpunktlager0,5400.000 min⁻¹·mm
Zylinderrollenlager0,5350.000 min⁻¹·mm
Kegelrollenlager0,4350.000 min⁻¹·mm
Pendelrollenlager0,5250.000 min⁻¹·mm
Nadellager0,3250.000 min⁻¹·mm
Axial-Rillenkugellager0,3200.000 min⁻¹·mm
Axial-Pendelrollenlager0,075250.000 min⁻¹·mm

Quellen: SKF General Catalog 6000/EN, Schaeffler TPI 176 "Schmierung von Wälzlagern".

Formelzeichen & Einheiten

Alle im Rechner verwendeten Symbole und ihre Bedeutung.

Geometrie & Drehzahl

SymbolEinheitBezeichnungFormel
mmLager-Außendurchmesser
mmLager-Innendurchmesser (Bohrung)
mmLagerbreite
mmMittlerer Lagerdurchmesser
min⁻¹Betriebsdrehzahl
min⁻¹·mmDrehzahlkennwert (n·dm)
cm³Freies Lagerinnenvolumen

Schmierfettmenge

SymbolEinheitBezeichnungFormel
gErstfettmenge (initial fill)
gNachschmiermenge
g/cm³Dichte Schmierfett (≈ 0,9 g/cm³)

Nachschmierintervall

SymbolEinheitBezeichnungFormel
hBasis-Nachschmierintervall (sauber, 70 °C, horizontal)
hNachschmierintervall mit Korrekturfaktoren
Lagertypfaktor (z.B. 1,0 für Rillenkugellager)
Temperaturfaktor (Halbierung pro 15 °C über 70 °C)
Belastungsfaktor (P/C)
Verschmutzungsfaktor
Einbaulage-Faktor
Schwingungs-/Stoßfaktor

Warum die Schmierfett-Auslegung ein Standortfaktor für die Instandhaltung ist

Wälzlager fallen selten aus, weil sie schlecht konstruiert sind. Sie fallen aus, weil sie falsch geschmiert werden. SKF schätzt, dass rund ein Drittel aller vorzeitigen Lagerschäden direkt auf Schmierungsfehler zurückgeht — zu wenig Fett, zu viel Fett, das falsche Fett oder schlicht Verschmutzung beim Nachschmieren. Die Berechnung von Erstfettmenge, Nachschmiermenge und Nachschmierintervall ist deshalb keine theoretische Übung, sondern Teil des betrieblichen Instandhaltungs-Standards.

Über- und Unterfettung sind beide teuer

Die häufigste Reaktion bei einem Lagerproblem ist intuitiv: noch eine Pumpe Fett extra. In der Praxis ist Überfettung jedoch eine der häufigsten Schadensursachen überhaupt. Zu viel Fett im Lager erhöht die Walkarbeit, die Temperatur steigt, der Verdicker baut ab, das Grundöl tritt aus — und am Ende liegt weniger Schmierfilm vor als vor der „Reparatur". Genau deshalb arbeitet die SKF-Faustformel Gp = 0,005 · D · B mit einer fest definierten, vom Lager vorgegebenen Menge: ausreichend, um die Wälzkörper zu versorgen, aber klein genug, um das Lager nicht zu überfüllen.

Das Nachschmierintervall hängt nicht vom Kalender ab

Die zweite verbreitete Annahme — „einmal pro Schicht" oder „einmal pro Monat" — übersieht, dass das Schmierintervall stark mit Drehzahl, Temperatur, Belastung und Verschmutzung skaliert. Eine Faustregel aus der Schaeffler-TPI 176: Pro 15 °C oberhalb von 70 °C halbiert sich das Intervall. Ein Rillenkugellager bei 90 °C hält im Schmiermittel-Sinne nur ein Viertel so lange wie das gleiche Lager bei 70 °C. Ein vertikal eingebautes Lager verliert zusätzlich rund die Hälfte seines Intervalls, weil das Fett nach unten läuft.

Wann Fett, wann Öl?

Die Grenze zwischen Fett- und Ölschmierung wird meist über den Drehzahlkennwert n·dm gezogen — Drehzahl mal mittlerer Lagerdurchmesser. Für Rillenkugellager gilt grob 500 000 min⁻¹·mm als obere Grenze für Fettschmierung; bei Pendelrollenlagern eher 250 000. Der Rechner zeigt diesen Wert direkt an und warnt, sobald die Grenze überschritten wird — in dem Fall ist Tauch-, Umlauf- oder Öl-Luft-Schmierung die ehrlichere Antwort.

Was der Rechner ersetzt — und was nicht

Das Tool kalkuliert Erstfettmenge, Nachschmiermenge und das effektive Nachschmierintervall nach SKF-Faustformel und Schaeffler-Methodik mit allen fünf Korrekturfaktoren. Es eignet sich für die Auslegung, für Schulungen und für die Plausibilisierung bestehender Schmierpläne. Was es nicht ersetzt: das Hersteller-Datenblatt für sicherheitskritische Anwendungen, die Schmierstoff-Freigabe des Anlagenbauers und — bei stark abweichenden Bedingungen (Vakuum, Hochtemperatur > 200 °C, Lebensmittelkontakt, Reinraum) — die Rücksprache mit einem Schmierstoff-Spezialisten.

Wer mehr zum Thema lesen möchte kann das in diesem Artikel tun; Wälzlager schmieren und fetten: Schmierfette, Intervalle und typische Fehler.

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