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Schrägkugellager einbauen: Einbaurichtung und Montage

Ein Schrägkugellager falsch herum einzubauen ist schneller passiert, als man denkt — und der Schaden zeigt sich erst unter Last. Anders als ein Rillenkugellager ist das Schrägkugellager ein gerichtetes Lager: Es hat eine tragende und eine nicht tragende Seite, und die Axialkraft muss gegen die richtige Schulter drücken. Dieser Artikel zeigt, wie Sie die Einbaurichtung bestimmen, was der Pfeil auf dem Lager bedeutet und wie Sie ein Schrägkugellager Schritt für Schritt sauber montieren.

Die Einbaurichtung entscheidet

Jedes einreihige Schrägkugellager hat eine hohe und eine niedrige Schulter am Außenring. Die Kugeln stützen sich unter ihrem Druckwinkel gegen die hohe Schulter ab — und genau dorthin muss die Axialkraft wirken. Bauen Sie das Lager andersherum ein, drückt die Kraft gegen die niedrige Seite, und das Lager trägt nicht. Warum das so ist, ergibt sich direkt aus dem Druckwinkel, den der Schrägkugellager-Überblick erklärt.

Bei gepaarten Lagern hängt die Einbaurichtung an der gewählten Anordnung. Für eine O-Anordnung werden die Innenringe gegeneinander angestellt, für eine X-Anordnung die Außenringe. Welche Anordnung wann sinnvoll ist und wie sie sich auf Steifigkeit und Vorspannung auswirkt, steht im Detail im Artikel zur O-, X- und Tandem-Anordnung. Wer die Anordnung kennt, kennt automatisch die Einbaurichtung.

Was der Pfeil auf dem Schrägkugellager bedeutet

Viele einreihige Schrägkugellager tragen auf dem Außenring eine Pfeilmarkierung. Sie zeigt die Richtung an, in der das Lager Axialkraft aufnehmen kann — der Pfeil weist also zur tragenden Seite. Beim Einbau orientieren Sie sich daran: Der Pfeil muss in Richtung der abzustützenden Axialkraft zeigen.

Bei gepaarten Sätzen kommt eine zweite Markierung dazu. Lager, die ab Werk als Satz gefertigt und zueinander vermessen wurden, tragen oft einen aufgemalten Strich oder ein „V" über beide Ringe. Diese Markierung gehört beim Einbau wieder zusammengeführt — sie sorgt dafür, dass die Vorspannung stimmt. Trennen Sie einen vermessenen Satz und mischen die Lager, ist die werkseitige Abstimmung dahin.

Schritt für Schritt: Schrägkugellager montieren

Die eigentliche Montage ist kein Hexenwerk, wenn die Reihenfolge stimmt und die Sitze sauber sind.

  1. Sitze prüfen und reinigen. Wellen- und Gehäusesitz auf Maß, Grat und Schmutz kontrollieren. Eine falsche Sitzpassung ruiniert das beste Lager.
  2. Einbaurichtung festlegen. Pfeil und gegebenenfalls Satzmarkierung prüfen, Anordnung (O oder X) im Kopf haben.
  3. Innenring warm aufziehen. Den Innenring auf rund 80 bis 100 °C erwärmen — im Ölbad, auf der Heizplatte oder mit dem Induktionsgerät. Er gleitet dann ohne Gewalt auf den Sitz. Über 120 °C sollte es nicht gehen, sonst leidet die Wärmebehandlung des Stahls.
  4. Kraft nur über den richtigen Ring leiten. Beim Aufpressen oder Aufschlagen die Montagekraft immer über den Ring führen, der gerade montiert wird — niemals über die Kugeln. Schläge über die Wälzkörper hinterlassen Eindrücke in den Laufbahnen.
  5. Vorspannung einstellen. Bei angestellten Lagerungen die Vorspannung nach Herstellervorgabe setzen, etwa über Wellenmutter oder Distanzscheiben.
  6. Drehprobe machen. Von Hand durchdrehen: Das Lager soll gleichmäßig und ohne Hakeln laufen.

Vorspannung richtig einstellen

Die Vorspannung ist beim Schrägkugellager kein Beiwerk, sondern der Grund, warum es so präzise führt. Ein vorgespanntes Paar läuft spielfrei und steif, was bei Spindeln und genauen Wellen den Ausschlag gibt. Zu viel des Guten erzeugt aber Reibungswärme und frisst Lebensdauer.

Bei werkseitig vermessenen Sätzen ist die Sache einfach: Die Vorspannung steckt in der Abstimmung der Ringe, Sie müssen den Satz nur korrekt zusammenbauen. Stellen Sie selbst an, tasten Sie sich an den vom Hersteller genannten Wert heran und kontrollieren Sie das Reibmoment. Kompakte Alternativen ohne eigene Vorspann-Einstellung sind die zweireihigen Schrägkugellager, die diese Abstimmung bereits mitbringen.

Häufige Einbaufehler

Die meisten Lagerschäden beim Einbau gehen auf eine Handvoll immer gleicher Fehler zurück. Das Lager falsch herum eingesetzt, sodass die Axialkraft gegen die niedrige Schulter drückt. Kalt eingepresst und dabei die Kraft über die Kugeln geleitet. Vorspannung zu hoch gewählt, das Lager läuft heiß. Oder schlicht der Sitz vernachlässigt — ein zu lockerer Innenring wandert, ein zu enger klemmt die Lagerluft weg.

Bei den präzisen Axial-Schrägkugellagern für Spindeln und Gewindetriebe wiegt jeder dieser Fehler doppelt, weil dort schon kleinste Schiefstellungen die Genauigkeit kosten; die Besonderheiten dazu stehen im Artikel zum Axial-Schrägkugellager. Passende Lager und gepaarte Sätze finden Sie im Sortiment der Schrägkugellager.

Sauber eingebaut hält ein Schrägkugellager seine Genauigkeit über die gesamte Lebensdauer — die Mühe bei Richtung, Sitz und Vorspannung zahlt sich also direkt aus. Wie das Lager überhaupt funktioniert und warum es so empfindlich auf die Richtung reagiert, fasst der Überblick zu Aufbau und Funktion zusammen.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Zuerst die Einbaurichtung anhand von Pfeil und Anordnung festlegen, dann den Innenring auf etwa 80 bis 100 °C erwärmen und auf den sauberen Sitz aufziehen. Die Montagekraft immer über den zu montierenden Ring leiten, nie über die Kugeln. Zum Schluss die Vorspannung einstellen und das Lager von Hand durchdrehen.

Die Axialkraft muss gegen die hohe Schulter des Lagers wirken — dorthin zeigt auch der Pfeil auf dem Außenring. Bei gepaarten Lagern bestimmt die Anordnung die Richtung: O-Anordnung mit gegeneinander angestellten Innenringen, X-Anordnung mit gegeneinander angestellten Außenringen.

Der Pfeil markiert die tragende Richtung, also die Seite, aus der das Lager Axialkraft aufnehmen kann. Beim Einbau muss der Pfeil in Richtung der abzustützenden Axialkraft zeigen. So lässt sich die richtige Einbaurichtung ohne Datenblatt erkennen.

Durch das Erwärmen auf rund 80 bis 100 °C dehnt sich der Innenring leicht aus und gleitet ohne Schläge auf den Wellensitz. Das schont die Laufbahnen und vermeidet Eindrücke durch die Kugeln, die beim kalten Einpressen entstehen können.

Werkseitig vermessene Sätze sollten zusammenbleiben, weil ihre Vorspannung auf der gemeinsamen Abstimmung beruht. Trennt man sie oder mischt Lager aus verschiedenen Sätzen, stimmt die Vorspannung nicht mehr. Die Satzmarkierung gehört beim Einbau wieder zusammengeführt.

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