Zurück zu Schrägkugellager: Aufbau, Funktion und Anordnung

Zweireihige Schrägkugellager: Aufbau, Bauformen und Auswahl

Ein zweireihiges Schrägkugellager packt zwei Kugelreihen in ein einziges Lager — und nimmt damit das auf, wofür sonst zwei einzelne Lager nötig wären. Es trägt radiale Kräfte, axiale Kräfte in beide Richtungen und obendrein Kippmomente. Das macht es kompakt und montagefreundlich, bringt aber eigene Regeln bei Bezeichnung, Abdichtung und Auswahl mit. Dieser Artikel zeigt, wie ein zweireihiges Schrägkugellager aufgebaut ist, wann es die bessere Wahl gegenüber der einreihigen Paarung ist und worauf Sie beim Bestellen achten.

Was ein zweireihiges Schrägkugellager ausmacht

Der entscheidende Unterschied steckt im Namen: zwei Kugelreihen statt einer, in einem gemeinsamen Innen- und Außenring. Die beiden Reihen sind ab Werk so zueinander angestellt, dass ihre Druckwinkel nach außen zeigen — funktional entspricht das einer fest verbauten O-Anordnung. Wer noch unsicher ist, wie ein einreihiges Schrägkugellager überhaupt arbeitet und warum der Druckwinkel so wichtig ist, findet das im Überblick zu Aufbau, Funktion und Anordnung von Schrägkugellagern.

Aus dieser integrierten Anstellung folgt das ganze Können des Lagers. Es nimmt Axialkräfte in beide Richtungen auf, hält durch die breite Stützbasis hohe Kippmomente aus und führt die Welle steif. Genau das ist der Grund, warum man zweireihige Schrägkugellager dort findet, wo eine Welle mit wenig Bauraum sauber geführt werden muss — an Radnaben, in Pumpen, an Lüfterwellen.

Ein zweites Wort, das im Handel kursiert: Doppelkugellager. Gemeint ist meist dasselbe. Manche Hersteller wie SKF, FAG oder NSK führen das Lager schlicht unter „zweireihig", andere unter eigenen Bauform-Kürzeln.

Einreihig paaren oder gleich zweireihig?

Die ehrliche Antwort: beides löst dieselbe Aufgabe, nur anders. Zwei einreihige Lager zu paaren gibt Ihnen die Freiheit, Druckwinkel und Vorspannung gezielt einzustellen — der Weg für Werkzeugmaschinenspindeln und Präzisionsanwendungen. Das zweireihige Lager nimmt Ihnen diese Entscheidung ab, dafür ist es kompakter, schneller montiert und unempfindlicher gegen Einbaufehler.

Wo Bauraum knapp ist und keine spezielle Vorspannung gefragt wird, gewinnt fast immer die Doppelreihe. Wo es auf hohe Drehzahl und einstellbare Steifigkeit ankommt, lohnt die einreihige Paarung. Wie sich O-, X- und Tandem-Anordnung bei einreihigen Lagern unterscheiden und was die Vorspannung damit zu tun hat, vertieft der Artikel zur O-, X- und Tandem-Anordnung. Geht es dagegen um reine, hohe Axiallast in eine Richtung, ist oft das Axial-Schrägkugellager die sauberere Lösung.

Die Bezeichnung lesen: DIN 628 und Lagernummer

Hier wird es praktisch, denn die Lagernummer verrät die Bauform, bevor Sie das Datenblatt aufschlagen. Zweireihige Schrägkugellager nach DIN 628 tragen als erste Ziffer die 3 — die Maßreihen 32 und 33 sind die gängigen. Die 33er-Reihe baut breiter und trägt entsprechend mehr. Daran hängen dann die Bohrungskennzahl und, ganz wichtig, die Nachsetzzeichen.

Diese Nachsetzzeichen sehen kryptisch aus, sagen aber genau, was Sie bekommen. Ein angehängtes 2RS steht für beidseitig schleifende Dichtungen, 2Z für beidseitige Deckscheiben, TVH oder TVP für einen Kunststoffkäfig. Ein „3204 A 2RS TVH" ist also ein zweireihiges Schrägkugellager der 32er-Reihe, Bohrung 20 mm, beidseitig abgedichtet, mit Polyamidkäfig. Klingt nach Kleingedrucktem, entscheidet im Zweifel aber darüber, ob das Lager in Ihre Anwendung passt. Die passende Baugröße lässt sich anschließend direkt im Sortiment der zweireihigen Schrägkugellager nach Maß und Abdichtung filtern.

Abdichtung und Schmierung

Viele zweireihige Schrägkugellager kommen ab Werk abgedichtet und mit Fett befüllt — bei den 2RS- und 2Z-Varianten ist die Lebensdauerschmierung schon drin. Das spart Nachschmierung und schützt vor Schmutz, was die Lager für Radlager und Förderrollen so beliebt macht.

Offene Lager ohne Dichtung haben dafür Vorteile bei hohen Drehzahlen und dort, wo eine zentrale Ölschmierung das Lager versorgt. Die Faustregel: abgedichtet für Wartungsarmut und schmutzige Umgebung, offen für Drehzahl und Ölumlauf. Wer die Wahl falsch trifft, merkt das spätestens beim ersten Fettaustritt oder beim Temperaturanstieg.

Typische Einsatzgebiete

Die Stärke des zweireihigen Schrägkugellagers — kombinierte Kräfte plus Kippmoment auf engem Raum — zeigt sich quer durch den Maschinenbau. Radlager an Anhängern und Landmaschinen, Kreisel- und Zahnradpumpen, Lüfter- und Gebläsewellen, Förderrollen, Spannrollen, kleinere Getriebe. Überall dort, wo eine Welle radial und axial belastet wird und kein Platz für zwei getrennte Lager ist, ist die Doppelreihe zu Hause.

Beim Einbau gilt trotz der gutmütigen Bauform: sauber arbeiten, den Innenring warm aufziehen statt einzupressen, und auf die richtige Sitzpassung achten. Die Details dazu stehen in der Praxis-Anleitung zum Einbau von Schrägkugellagern.

Unterm Strich ist das zweireihige Schrägkugellager der pragmatische Allrounder unter den Schräglagern: nicht so fein justierbar wie eine einreihige Paarung, dafür kompakt, robust und schnell verbaut. Wer die Grundlagen dahinter noch sacken lassen will, findet sie im Schrägkugellager-Überblick.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Ein einreihiges Lager nimmt Axialkraft nur aus einer Richtung auf und muss deshalb gepaart werden. Das zweireihige Lager vereint zwei Reihen in einem Gehäuse und trägt Axialkräfte in beide Richtungen sowie Kippmomente — kompakter, aber ohne die einstellbare Vorspannung einer Paarung.

Die erste Ziffer 3 kennzeichnet das zweireihige Schrägkugellager nach DIN 628, die zweite Ziffer die Maßreihe (32 schmaler, 33 breiter und tragfähiger). Die letzten beiden Ziffern stehen für die Bohrungskennzahl: 04 bedeutet 20 mm Bohrung, 08 entsprechend 40 mm.

Die Vorspannung lässt sich nicht frei einstellen, weil die Anstellung fest ist. Für sehr hohe Drehzahlen oder höchste Präzision ist eine einreihige Paarung meist besser. Außerdem reagieren sie wie alle Schräglager empfindlich auf falsche Sitzpassungen.

Damit die Kugeln sauber abrollen statt zu rutschen, braucht jedes Wälzlager eine gewisse Grundlast. Bleibt sie aus — etwa bei hoher Drehzahl ohne Last —, kann es zu Gleitverschleiß kommen. Die Hersteller geben dafür Mindestbelastungswerte an.

2RS bezeichnet beidseitig schleifende Gummidichtungen, die besser gegen Schmutz und Feuchtigkeit abdichten, aber etwas Reibung erzeugen. 2Z steht für berührungslose Deckscheiben mit weniger Reibung, dafür geringerem Dichtschutz. Für schmutzige Umgebungen 2RS, für Drehzahl 2Z.

Support

Support Mitarbeiter

Wie können wir helfen?

Kontaktieren Sie unser Support-Team

Opening hours
Mo. - Fr. von 08:00 - 18:00
sales@partbase.com
+49 39203 863988

Zahlungsmethoden

Rechnung
Vorkasse
Visa
Mastercard
American Express
PayPal
Eps
Ideal
Przelewy24

Unsere Vorteile

Top-Preise
Hohe Verfügbarkeit
Großes Portfolio
Flexible Zahlungsmethoden