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Rillenkugellager Aufbau und Funktion

Ein Rillenkugellager ist ein einreihiges Wälzlager mit Innenring, Außenring, Käfig und Kugelreihe und überträgt überwiegend radiale, begrenzt auch axiale Kräfte. Typische Einsatzfelder sind Elektromotoren, Getriebe, Pumpen, Lüfter, Förderbänder und Werkzeugmaschinen, also nahezu jede rotierende Welle im allgemeinen Maschinenbau. Bei Partbase erhalten Sie Rillenkugellager von SKF, Schaeffler, FAG und INA in offener, gedichteter oder abgedeckter Ausführung sowie als Miniatur-, Hochtemperatur- und Edelstahllager.

Rillenkugellager im industriellen Einsatz

Kein anderes Wälzlager ist so weit verbreitet wie das Rillenkugellager, denn es kombiniert eine einfache Geometrie mit niedrigem Reibmoment, hoher Drehzahleignung und langer Gebrauchsdauer. Genau diese Eigenschaften machen es zur Standardwahl, wenn eine Welle ohne große Axiallast geführt werden soll, vom kleinen Lüftermotor bis zum schweren Getriebeantrieb. Über alle Branchen hinweg arbeitet im Inneren die gleiche Grundkonstruktion aus zwei Ringen, einer Kugelreihe und einem Käfig, oft ergänzt durch eine integrierte Dichtung. Wer Aufbau und Funktion im Detail versteht, wählt das passende Lager schneller und vermeidet teure Fehleinbauten in der Konstruktion.

In der Antriebstechnik bildet das Lager das Rückgrat fast jedes Elektromotors. Üblich ist eine Fest-Los-Lagerung mit zwei Lagern derselben Reihe, etwa zweimal 6205-2RS für eine Welle von 25 mm Durchmesser. Das antriebsseitige Festlager überträgt die Querkräfte aus Riemenzug oder Kupplung. Das Loslager auf der Lüfterseite gleicht thermische Längenänderungen der Welle aus. Bei kleineren Aggregaten reichen oft zwei abgedichtete 2RS-Lager mit Lebensdauerschmierung aus.

In Getrieben übernimmt das Rillenkugellager vor allem die schnellen Wellen mit reiner Radiallast. Bei höheren Axialkräften an Schrägverzahnungen ergänzt man es um ein Schrägkugellager oder Kegelrollenlager. In Werkzeugmaschinen führt es weniger stark belastete Spindelachsen, in Förderbändern die Antriebstrommeln und Tragrollen, in der Fahrzeugtechnik die Lichtmaschinen, Lüfter und Wasserpumpen. Daraus folgt eine Bandbreite, die im Maschinenbau praktisch keine Lücken kennt.

Die hohe Verbreitung erklärt, warum das Lager als Massenprodukt nach DIN 625 normiert ist. Es wird in einem festen Maßraster von 8 mm bis über 300 mm Außendurchmesser angeboten. SKF, Schaeffler, FAG und INA decken mit eigenen Werksnormen praktisch jede gängige Größe ab. Damit lassen sich austauschbare Lager mehrerer Marken beschaffen, was in der Instandhaltung den Stillstand kurz hält. Bei Partbase finden Sie das Spektrum vom Miniaturlager 608 bis zum Industrielager 6320.

Aufbau und Bestandteile eines Rillenkugellagers

Mit der Funktion eng verbunden ist die Bauweise des Lagers. Ein Rillenkugellager besteht aus fünf Hauptbauteilen: Innenring, Außenring, Wälzkörper, Käfig und in der Mehrzahl der Fälle einer integrierten Dichtung oder Deckscheibe. Innen- und Außenring tragen jeweils eine umlaufende Rille mit einem Krümmungsradius, der nur wenig größer ist als der Kugeldurchmesser. Diese enge Schmiegung gibt dem Lager seinen Namen und sorgt für eine kleine, hochbelastbare Kontaktzone zwischen Kugel und Laufbahn.

Die Kugeln sind die Wälzkörper und werden aus Wälzlagerstahl 100Cr6 hergestellt, gehärtet und auf wenige Mikrometer genau geschliffen. Sie laufen mit minimalem Spiel zwischen den beiden Ringen und werden durch den Käfig in gleichem Abstand gehalten. Der Käfig verhindert, dass sich Kugeln berühren, und sorgt für eine gleichmäßige Lastverteilung über den Umlauf. Übliche Käfigwerkstoffe sind Stahlblech bei Standardlagern, Polyamid PA66 bei hohen Drehzahlen und Messing bei großen oder besonders belasteten Lagern.

Innen- und Außenring werden ebenfalls aus 100Cr6 oder einem vergleichbaren Wälzlagerstahl gefertigt. Die Laufflächen werden gehärtet und auf eine Oberflächengüte im Bereich Ra 0,1 µm feinst geschliffen. Diese hohe Genauigkeit ist nötig, weil die punktförmige Kontaktzone zwischen Kugel und Rille im Betrieb Pressungen von einigen tausend Newton pro Quadratmillimeter aushält. Eine raue Lauffläche würde nach kurzer Zeit ausbrechen und das Lager unbrauchbar machen.

Bei gedichteten Varianten kommen Deckscheiben (Suffix 2Z) oder Dichtscheiben (Suffix 2RS) hinzu. Die Deckscheibe ist berührungsfrei und hält grobe Verschmutzung fern, ohne nennenswerte Reibung zu erzeugen. Die Dichtscheibe ist eine elastomere Lippe aus NBR oder bei höheren Temperaturen aus FKM. Sie liegt schleifend an einer Nut des Innenrings an und hält das Lager über die Lebensdauer in seinem Schmierfett.

Für Sonderanwendungen werden andere Werkstoffe eingesetzt. Edelstahllager aus 1.4125 oder X65Cr13 widerstehen Korrosion und finden sich in der Lebensmittelindustrie und in feuchten Umgebungen. Hybridlager mit Keramikkugeln aus Siliziumnitrid ermöglichen höhere Drehzahlen bei geringerer Wärmeentwicklung. Vollkeramische Lager sind elektrisch isolierend und magnetfrei. Bei Partbase finden Sie alle gängigen Bauformen sowie Sonderausführungen für korrosive oder hochreine Umgebungen.

Funktion und Lastübertragung beim Rillenkugellager

Wie das Lager seine Aufgabe erfüllt, ergibt sich direkt aus dem Aufbau. Eine Welle drückt über den Innenring auf die Kugeln, die Kraft wandert über die Kontaktpunkte in den Außenring und von dort in das Gehäuse. Die Übertragung erfolgt rollend statt gleitend. Daraus resultieren geringe Reibung, niedrige Erwärmung und ein hoher Wirkungsgrad. Ein gut geschmiertes Rillenkugellager hat einen Reibwert um 0,0015, etwa zehnmal weniger als ein Gleitlager unter vergleichbarer Last.

Die Hauptlast nimmt das Rillenkugellager radial auf, also senkrecht zur Wellenachse. Daneben kann es eine begrenzte Axiallast in beide Richtungen übertragen, weil die enge Rille die Kugel auch seitlich abstützt. Üblicherweise gilt: Die zulässige Axiallast liegt bei rund 25 % bis 50 % der dynamischen radialen Tragzahl, abhängig von Bauform und Lagerluft. Wer dauerhaft hohe Axialkräfte hat, weicht auf Schrägkugellager, Axial-Rillenkugellager oder Kegelrollenlager aus.

Für die Auswahl entscheidend sind die dynamische Tragzahl C und die statische Tragzahl C0. C beschreibt die Belastung, bei der das Lager unter rotierenden Bedingungen eine nominelle Lebensdauer von einer Million Umdrehungen erreicht. C0 begrenzt die Belastung im Stillstand, bevor bleibende Verformungen an den Laufbahnen auftreten. Bei einem 6205 liegen diese Werte bei etwa 14 kN dynamisch und 7,8 kN statisch, je nach Hersteller leicht unterschiedlich. Beim Tausch zwischen Marken ist daher ein Datenblatt-Vergleich sinnvoll.

Die Drehzahleignung wird durch die zulässige Bahn- und Wälzkörpergeschwindigkeit begrenzt. Hersteller geben für jede Größe eine Grenzdrehzahl bei Fett- und bei Ölschmierung an. Ein 6205 erreicht bei Fettschmierung rund 14.000 Umdrehungen pro Minute, bei Ölschmierung etwa 17.000. Hybridausführungen mit Keramikkugeln verschieben diese Grenze um 30 % bis 50 % nach oben. In der Praxis bedeutet das: Hochdrehzahl-Spindeln und Werkzeugmaschinen profitieren spürbar von der Hybridvariante.

Eine wichtige Größe ist außerdem die Lagerluft. Sie beschreibt das Spiel zwischen Kugeln und Laufrillen und beeinflusst Geräuschentwicklung, Laufruhe und thermische Reserve. Standard ist die Klasse CN, bei stärkerer Erwärmung C3 oder C4, bei besonders leisem Lauf C2. Bei Partbase sind die gängigen Reihen in CN und C3 ab Lager verfügbar.

Bauformen und Varianten von Rillenkugellagern

Aus dem gleichen Grundaufbau lassen sich mehrere Bauformen ableiten. Die häufigste Form ist das einreihige Rillenkugellager. Es deckt den größten Teil aller Anwendungen ab und ist nach DIN 625-1 in den Reihen 60, 62, 63 und 64 normiert. Die Reihen unterscheiden sich in den Außenmaßen bei gleicher Bohrung und damit in der Tragzahl. Ein 6204 hat dieselbe Bohrung wie ein 6304, aber einen größeren Außenring und höhere Belastbarkeit.

Das zweireihige Rillenkugellager ist die nächste Stufe für höhere Lasten oder beengte Einbauverhältnisse. Bei gleichem Bauraum trägt es deutlich mehr radiale Kraft als zwei nebeneinander liegende einreihige Lager. Eingesetzt wird es in Antrieben kleinerer Maschinen, in Pumpen mit verlängertem Wellendurchhang und in der Fördertechnik. Im Vergleich zur einreihigen Variante steigt die Tragzahl je nach Reihe um 30 % bis 70 %. In der Praxis bedeutet das eine kompaktere Konstruktion bei vergleichbarer oder höherer Lebensdauer.

Das Axial-Rillenkugellager ist eine eigene Bauform für hohe einseitige Axiallasten. Statt zweier Laufringe besitzt es eine Wellen- und eine Gehäusescheibe mit ebenen Laufflächen, dazwischen läuft ein Käfig mit Kugeln. Es eignet sich nicht für Radiallasten, weshalb es immer mit einem radial führenden Lager kombiniert wird. Typische Einsatzfelder sind Spindelpressen, Kranhaken und Drehkränze, in denen die Hauptkraft entlang der Wellenachse wirkt. Es gibt einseitig und doppeltwirkend ausgeführte Varianten.

Daneben existieren zahlreiche Varianten mit Sonderausstattung. Lager mit Bund am Außenring (Suffix N oder NR) lassen sich axial im Gehäuse fixieren, ohne Sicherungsring. Hochtemperaturausführungen mit speziellem Schmierfett arbeiten dauerhaft bei 150 °C oder höher. Edelstahllager kommen ohne separaten Korrosionsschutz aus. Lager mit Polyamidkäfig laufen leise bei sehr hohen Drehzahlen.

Eine Sonderrolle spielen Miniaturlager mit Bohrungsdurchmessern von 1 mm bis etwa 9 mm. Sie werden in der Feinwerktechnik, im Modellbau, in der Medizintechnik und in Elektrokleingeräten verbaut. Trotz ihrer geringen Größe folgen sie demselben Aufbau- und Funktionsprinzip wie das große Industrielager. Bei Partbase finden Sie sowohl die gängigen Reihen 60 bis 64 als auch zweireihige Lager, Axial-Rillenkugellager und Miniaturlager der Hersteller SKF, Schaeffler, FAG und INA.

Auswahl und Einbaupraxis für Rillenkugellager

Für die Auswahl bedeutet das eine klare Reihenfolge. Zuerst werden Belastung und Drehzahl bestimmt, dann Bauraum und Wellendurchmesser, anschließend Schmierung, Dichtung und Lagerluft. Die dynamische Tragzahl C muss zur erwarteten Last passen. Die geforderte Lebensdauer wird über die L10-Formel berechnet. Eine Lebensdauer von 20.000 Betriebsstunden ist im allgemeinen Maschinenbau ein üblicher Zielwert, in der Antriebstechnik werden je nach Anwendung 30.000 bis 50.000 Stunden gefordert.

Die Lagerbezeichnung enthält alle wesentlichen Angaben. Eine typische Bezeichnung wie 6204-2RS-C3 zerlegt sich folgendermaßen:

  • 6 = einreihiges Rillenkugellager
  • 2 = Maßreihe (Außenring mittlerer Größe)
  • 04 = Bohrungsdurchmesser 20 mm (04 × 5)
  • 2RS = beidseitig mit Dichtscheibe aus NBR
  • C3 = Lagerluft größer als normal

Diese systematische Bezeichnung ist nach ISO 15 geregelt und gilt herstellerübergreifend. Wer eine Vergleichsbestellung über mehrere Marken auslösen will, kann die Codes direkt übersetzen.

Beim Einbau zählen Sauberkeit und gleichmäßiger Kraftfluss. Das Lager wird über den anliegenden Ring auf die Welle oder ins Gehäuse aufgepresst, niemals über die Wälzkörper. Wer das Lager auf die Welle treibt, indem er auf den Außenring schlägt, verursacht Mikroschäden an den Laufbahnen, die das Lager innerhalb weniger Wochen ausfallen lassen. Saubere Hülsen, hydraulische Aufpressvorrichtungen oder eine kontrollierte Erwärmung auf 80 °C bis 100 °C verhindern diesen Fehler.

Die Schmierung entscheidet darüber, ob das Lager seine berechnete Lebensdauer erreicht. Bei Fettschmierung wird das Lager zu einem Drittel bis zur Hälfte mit Schmierfett gefüllt. Eine zu hohe Befüllung erhöht die Reibung und führt zu Erwärmung. Bei Ölschmierung wird das Öl über Tauch-, Spritz- oder Umlaufschmierung zugeführt. Wartungsfreie 2RS-Lager kommen mit ihrer Erstbefüllung über die gesamte Lebensdauer aus, sofern Drehzahl und Temperatur im Auslegungsbereich liegen.

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Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Ein Rillenkugellager überträgt vor allem Radialkräfte und in begrenztem Umfang auch Axialkräfte in beide Richtungen. Die zulässige Axiallast liegt je nach Lagerluft und Bauform bei 25 % bis 50 % der dynamischen radialen Tragzahl. Bei größeren Axialkräften ist ein Schrägkugellager, ein Axial-Rillenkugellager oder ein Kegelrollenlager die bessere Wahl. Werden Radial- und Axialkräfte kombiniert, gelten die Regeln zur äquivalenten Lagerbelastung nach DIN ISO 281.

Die Bezeichnung 6204-2RS folgt ISO 15. Die 6 steht für ein einreihiges Rillenkugellager, die 2 für die Maßreihe mit mittlerem Außenring, die 04 für eine Bohrung von 20 mm. Der Zusatz 2RS bedeutet beidseitig mit elastomerer Dichtscheibe, üblicherweise aus NBR. Damit ist das Lager wartungsfrei und ab Werk mit Lithium- oder Mehrzweckfett gefüllt. Vergleichbare Codes anderer Hersteller wie 2RSR, 2RSH oder DDU bezeichnen dieselbe Variante.

Ein offenes Rillenkugellager besitzt keine integrierte Dichtung und braucht eine externe Schmierversorgung im Gehäuse. Eine Deckscheibe (Suffix Z oder 2Z) ist eine berührungsfreie Stahlscheibe und hält grobe Verschmutzung fern. Eine Dichtscheibe (RS oder 2RS) ist eine schleifende Elastomerdichtung und hält das Lager wartungsfrei in seinem Fett. Offene Lager wählt man bei Zentralschmierung, 2Z bei sauberer Umgebung mit hohen Drehzahlen, 2RS als Lebensdauerlager unter Schmutz oder Feuchtigkeit.

Die Lagerluft beschreibt das Spiel zwischen Kugeln und Laufbahnen im unverbauten Zustand. Standard ist die Klasse CN. C2 wird für besonders leisen Lauf gewählt, etwa in Lüftern oder Audiogeräten. C3 ist Standard bei höherer Erwärmung, etwa in Elektromotoren mit dichter Wicklung oder bei Pressfit-Einbau. C4 wird bei besonders großer Wärmedehnung eingesetzt. Eine zu kleine Lagerluft führt zu Verspannung und reduziert die Lebensdauer drastisch. Im Zweifel hilft ein Blick in die Auslegungsdaten des Maschinenherstellers.

Die Lebensdauer hängt von Belastung, Drehzahl, Schmierung und Sauberkeit ab. Berechnet wird sie nach der Formel L10 aus dynamischer Tragzahl und tatsächlicher Last. Im allgemeinen Maschinenbau sind 20.000 Betriebsstunden ein üblicher Zielwert, in der Antriebstechnik werden je nach Branche 30.000 bis 50.000 Stunden gefordert. In der Praxis fallen Lager selten durch reine Materialermüdung aus. Häufiger sind Verschmutzung, Schmierstoffmangel, Einbaufehler oder Korrosion die Ursache für vorzeitige Schäden.

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