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Rillenkugellager-Bezeichnung lesen: Code 6204 erklärt

Die Bezeichnung eines Rillenkugellagers ist ein normierter Code, aus dem sich Bauart, Maßreihe, Bohrungsdurchmesser und Sonderausstattung direkt ablesen lassen. Das System ist nach DIN 623 und ISO 15 international vereinheitlicht und gilt herstellerübergreifend für SKF, Schaeffler, FAG und INA. Bei Partbase finden Sie Rillenkugellager mit vollständigem Bezeichnungscode von SKF, Schaeffler, FAG und INA, sodass Sie Dichtung, Lagerluft und Käfig direkt entnehmen können.

Bezeichnungssystem für Rillenkugellager nach DIN 623 und ISO 15

Das Lagerbezeichnungssystem geht auf DIN 623 zurück und wird global durch ISO 15 ergänzt. Beide Normen legen fest, wie sich aus einer Zahlen-Buchstaben-Folge alle wesentlichen Eigenschaften eines Lagers ablesen lassen. Das Ziel ist eine herstellerübergreifend lesbare Bezeichnung, an der Konstrukteure, Einkäufer und Instandhalter die geometrischen und technischen Eigenschaften eines Lagers schnell erkennen. Wer das System einmal verstanden hat, übersetzt eine Bezeichnung wie 6204-2RSR-C3 in wenigen Sekunden zu einem konkreten Bauteil mit 20 mm Bohrung, beidseitiger Lippendichtung und erhöhter Lagerluft. Die folgenden Abschnitte zeigen am Beispiel des weit verbreiteten 6204, wie sich die Bezeichnung Stelle für Stelle entschlüsseln lässt.

Eine vollständige Lagerbezeichnung besteht aus drei Blöcken: einem optionalen Vorsetzzeichen, der Hauptzahl und einem oder mehreren Nachsetzzeichen. Das Vorsetzzeichen weist auf eine Sonderausführung hin, etwa W für Edelstahl oder F für eine geänderte Konstruktion. Die Hauptzahl identifiziert Bauart, Maßreihe und Bohrung in dieser Reihenfolge. Die Nachsetzzeichen ergänzen Käfig, Dichtung, Lagerluft, Genauigkeit und weitere Sonderausstattungen. Trennzeichen zwischen den Blöcken sind je nach Hersteller ein Bindestrich, ein Schrägstrich oder ein Leerzeichen.

Der praktische Nutzen dieser Systematik liegt in der Austauschbarkeit. Ein 6204 von SKF passt mechanisch in dieselbe Lagerstelle wie ein 6204 von FAG oder INA, weil die Hauptzahl die geometrischen Maße eindeutig festlegt. Unterschiede entstehen lediglich in den Nachsetzzeichen, etwa weil SKF die Lippendichtung mit 2RS1 oder 2RSH bezeichnet und Schaeffler/FAG die gleiche Eigenschaft mit 2RSR. Wer beim Tausch zwischen Marken arbeitet, vergleicht deshalb nicht nur die Hauptzahl, sondern den vollständigen Code.

Daraus folgt für die tägliche Arbeit eine klare Reihenfolge. Zuerst wird die Hauptzahl ausgewertet, denn sie bestimmt das Bauteil. Anschließend werden die Suffixe abgearbeitet, weil sie Lebensdauer und Einsatzbedingungen festlegen. Erst dann lohnt der Blick ins Datenblatt für Tragzahlen, Drehzahlen und Schmierhinweise.

Hauptzahl eines Rillenkugellagers am Beispiel 6204

Die Hauptzahl 6204 zerlegt sich in drei Bestandteile, die zusammen Bauart, Maßreihe und Bohrung beschreiben. Das System gilt für alle einreihigen Rillenkugellager und folgt der Schreibweise A BC DE, wobei A für die Bauart steht, BC für die Maßreihe und DE für den Bohrungscode. Damit ist jede Stelle der Hauptzahl sofort einer technischen Eigenschaft zugeordnet.

Die erste Ziffer 6 weist das Lager als einreihiges Rillenkugellager aus. Diese Zahl bezeichnet die Bauart und ist über alle Hersteller identisch.

Code

Lagertyp

1

Pendelkugellager

2

Pendelrollenlager

3

Kegelrollenlager

4

Zweireihiges Rillenkugellager

5

Axial-Rillenkugellager

6

Einreihiges Rillenkugellager

7

Schrägkugellager

N

Zylinderrollenlager

Bei Bezeichnungen mit drei Ziffern, etwa 160 oder 619, beschreibt die zusätzliche Ziffer die Dünnring-Variante derselben Bauart. Ein 619 ist ebenfalls ein einreihiges Rillenkugellager, jedoch in besonders schmaler Bauform.

Die zweite Ziffer 2 markiert die Maßreihe und damit das Verhältnis zwischen Bohrung und Außendurchmesser. Üblich sind die Reihen 0, 2, 3 und 4 mit steigender Querschnittsgröße. Ein Lager der Reihe 62 ist breiter und kräftiger als ein Lager der Reihe 60 bei gleicher Bohrung. Die Reihe 63 hat den größten Querschnitt und die höchste Tragzahl, die Reihe 64 die schwerste Variante.

Die letzten zwei Ziffern 04 verschlüsseln die Bohrung in Millimetern. Die Regel ist einfach und gilt für alle Lager mit Bohrungscode ab 04:

Bohrung in mm = letzte zwei Ziffern × 5

Damit hat ein 6204 eine Bohrung von 20 mm, ein 6308 eine Bohrung von 40 mm, ein 6320 eine Bohrung von 100 mm. Für Bohrungen unter 20 mm gelten Sondercodes, weil die Multiplikation hier zu unrunden Werten führen würde:

Code

Bohrung

00

10 mm

01

12 mm

02

15 mm

03

17 mm

Bohrungen unter 10 mm werden direkt in Millimetern in die Bezeichnung übernommen, ein Lager 6 mit 7 mm Bohrung erscheint also als 607. Diese vier Sondercodes 00 bis 03 sollten auswendig bekannt sein, weil sie in praktisch jeder zweiten Lagerstelle auftauchen. Daraus folgt für 6204 die geometrische Übersetzung: einreihiges Rillenkugellager der Maßreihe 62 mit 20 mm Bohrung, Außendurchmesser 47 mm, Breite 14 mm.

Nachsetzzeichen am Rillenkugellager: Dichtung, Käfig und Material

Die Nachsetzzeichen folgen direkt auf die Hauptzahl und beschreiben Eigenschaften, die in der Geometrie nicht ablesbar sind. Sie sind in DIN 623-1 grundsätzlich geregelt, in den Details jedoch teilweise herstellerspezifisch. Die wichtigsten Gruppen betreffen Dichtung und Abdeckung, Käfigwerkstoff, Sondermaterial und herstellerinterne Konstruktionsänderungen.

Die häufigste Nachsetzgruppe sind die Dichtungs- und Abdeckcodes. Eine berührungsfreie Stahlscheibe an einer Seite trägt das Suffix Z, an beiden Seiten 2Z oder ZZ. Eine schleifende Elastomerdichtung ist mit RS bezeichnet, beidseitig mit 2RS, 2RS1, 2RSH oder 2RSR — alle vier Schreibweisen meinen die gleiche Eigenschaft, sind aber je nach Hersteller unterschiedlich gewählt. Berührungsfreie Lippendichtungen tragen die Suffixe RZ oder 2RZ und kombinieren die Sauberkeit einer Lippendichtung mit der Reibungsfreiheit einer Deckscheibe.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Dichtungs- und Käfigsuffixe im Hersteller-Vergleich:

Bedeutung

SKF

Schaeffler/FAG

INA

Stahldeckscheibe einseitig

Z

Z

Z

Stahldeckscheibe beidseitig

2Z

2Z

2Z

Lippendichtung einseitig

RS1 / RSH

RSR

RSR

Lippendichtung beidseitig

2RS1 / 2RSH

2RSR

2RSR

Berührungsfreie Lippe beidseitig

2RZ

2RZ

2RZ

Polyamid-Käfig

TN9

TVH

TVH

Messingkäfig (massiv)

M / MA

MA / MP

MA

Diese Tabelle deckt rund 90 % aller in der Praxis vorkommenden Suffixe ab. Der Käfigwerkstoff hat einen eigenen Suffix-Block. Die Standardausführung ist ein Stahlblechkäfig, der häufig ohne Suffix bleibt oder bei SKF mit J gekennzeichnet wird. Polyamidkäfige aus PA66 erscheinen als TN9 oder TVH und sind die Standardwahl für hohe Drehzahlen. Massivmessingkäfige tragen die Codes M, MA oder MP und kommen in groß bauenden oder schwer belasteten Lagern zum Einsatz.

Sondermaterialien werden meist über Vorsetzzeichen kodiert. W vor der Hauptzahl bezeichnet ein Edelstahl-Lager, etwa W6204-2Z für ein nichtrostendes Rillenkugellager mit beidseitiger Stahldeckscheibe. Für vollkeramische Lager und Hybridausführungen verwenden die Hersteller individuelle Codes, die nicht durchgängig genormt sind. Bei Partbase finden Sie sowohl Standard- als auch Edelstahl- und Hochtemperaturausführungen mit klar ausgezeichnetem Bezeichnungscode.

Lagerluft- und Toleranzcodes in der Bezeichnung

Hinter Käfig- und Dichtungssuffixen folgen die Codes für Lagerluft und Genauigkeit. Beide Eigenschaften sind in DIN 620 und ISO 5753 normiert und entscheiden über das Laufverhalten unter Last. Die Suffixe stehen am Ende der Bezeichnung, weil sie das Lager an die thermischen und mechanischen Bedingungen der Lagerstelle anpassen.

Die Lagerluft beschreibt das radiale Spiel zwischen Kugeln und Laufrillen im unverbauten Zustand. Sie wird in fünf Klassen kodiert:

Code

Lagerluft

Typische Anwendung

C2

kleiner als normal

Lüfter, leise Antriebe, Mess- und Audioanwendungen

CN (oder C0)

normal

Standardlast bei Raumtemperatur

C3

größer als normal

Elektromotoren mit dichter Wicklung, Pressfit

C4

deutlich größer

Heißluftantriebe, Walzwerke, hohe Wärmeausdehnung

C5

sehr groß

Spezialfälle bei extremer Temperatur und Passung

CN ist der Standard und erscheint in der Praxis selten als Suffix, weil es ohnehin mitgeliefert wird, wenn keine andere Klasse angegeben ist. C3 ist die mit Abstand häufigste Sonderwahl in der Industrie.

Die Toleranzklasse beschreibt die Maß- und Lauftoleranzen des Lagers und wird über die Codes P0, P6, P5, P4 und P2 ausgedrückt. P0 ist die Standardklasse und wird wie CN üblicherweise nicht in die Bezeichnung geschrieben. P6 ist eine moderate Verbesserung, P5 wird in präzisen Antrieben und Werkzeugmaschinen eingesetzt, P4 in Hochpräzisionsspindeln und Messtechnik. P2 ist die feinste Klasse und kommt nur in Sonderfällen vor. SKF kombiniert Lauftoleranz und Lagerluft teilweise zu Sondercodes wie CMP4A, die beide Eigenschaften gleichzeitig festlegen.

In der Praxis kombinieren sich Lagerluft- und Genauigkeitscodes mit den vorigen Suffixen zu längeren Codes. Eine Bezeichnung wie 6204-2Z-C3-P5 lässt sich von hinten nach vorn lesen: P5 weist eine erhöhte Genauigkeit aus, C3 eine erhöhte Lagerluft, 2Z beidseitige Stahldeckscheiben, 6204 die Geometrie. Wer beim Bestellen die Reihenfolge der Suffixe nicht exakt beibehält, riskiert, dass die Reihenfolge bei manchen Herstellern ein anderes Lager ergibt.

Hersteller-Unterschiede in der Rillenkugellager-Bezeichnung

Bei aller Norm gibt es zwischen den Herstellern Detailunterschiede, die in der Praxis Verwirrung stiften können. Die Hauptzahl ist überall gleich, die Suffixe weichen jedoch voneinander ab. Wer von SKF zu Schaeffler/FAG wechselt oder umgekehrt, übersetzt deshalb nicht nur die Hauptzahl, sondern den vollständigen Code.

Ein konkretes Beispiel macht das deutlich. Bei SKF lautet ein typischer Bestellcode 6204-2RSH-C3. Die 2RSH steht für eine beidseitige Lippendichtung der zweiten Generation, die für höhere Temperaturen und Drehzahlen ausgelegt ist als die ältere 2RS1. Schaeffler und FAG schreiben für die gleiche Eigenschaft 6204-2RSR-C3. Das Lager ist funktional identisch, der Code aber unterschiedlich. Auch die Reihenfolge der Suffixe kann variieren: SKF nennt zuerst die Dichtung, dann die Lagerluft, INA dreht das in Sonderfällen um.

Vorsetzzeichen vor der Hauptzahl sind ein weiterer Stolperstein. W6204-2Z bezeichnet ein Edelstahl-Rillenkugellager bei SKF, S6204-2Z dasselbe Lager in der Schreibweise mancher Anbieter. Bei abweichender Werksnorm tragen Lager auch zwei Vorsetzzeichen, etwa für eine spezielle Käfigkonstruktion in Edelstahlausführung. Diese Codes sind nicht durchgängig genormt und sollten beim Quereinsteig zwischen Herstellern stets im Datenblatt verifiziert werden.

Drei häufige Bezeichnungen aus der Praxis verdeutlichen das System:

  • 6205-2RS1-C3: SKF-Lager, einreihig, Maßreihe 62, 25 mm Bohrung, beidseitige Lippendichtung, erhöhte Lagerluft
  • 6308-2Z-C3: Schaeffler/FAG, einreihig, Maßreihe 63, 40 mm Bohrung, beidseitige Stahldeckscheibe, erhöhte Lagerluft
  • W6204-2RSR-P5: Edelstahl-Rillenkugellager, 20 mm Bohrung, beidseitige Lippendichtung, Genauigkeitsklasse P5

Mit diesen drei Beispielen lassen sich rund 70 % aller Bezeichnungen, die in der Instandhaltung auftauchen, ohne weitere Recherche entschlüsseln.

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Fragen & Antworten

Häufige Fragen

Alle drei Suffixe bezeichnen eine beidseitige Abdichtung, sind aber unterschiedlich konstruiert. 2Z steht für zwei berührungsfreie Stahldeckscheiben und ist auf hohe Drehzahlen optimiert. 2RS bezeichnet eine schleifende Lippendichtung aus Elastomer auf beiden Seiten, üblicherweise NBR. 2RSR ist die Schreibweise von Schaeffler und FAG für dieselbe Lippendichtung, die SKF mit 2RS1 oder 2RSH bezeichnet. Funktional sind 2RS, 2RS1, 2RSH und 2RSR identisch und nur in der Markenbezeichnung unterschiedlich.

Ein 6308 hat eine Bohrung von 40 mm. Die Regel ergibt sich aus der Multiplikation der letzten zwei Ziffern mit fünf, also 08 × 5 = 40 mm. Nach DIN 625-1 hat ein 6308 zusätzlich einen Außendurchmesser von 90 mm und eine Breite von 23 mm. Es gehört zur Maßreihe 63 und wird in mittleren bis schweren Antrieben eingesetzt. Die Tragzahl liegt deutlich über dem flacheren 6208 derselben Bohrung.

Der Vorsetzbuchstabe W steht für ein Lager aus rostbeständigem Edelstahl, üblicherweise 1.4125 oder X65Cr13. Ein W6204-2Z ist also ein Rillenkugellager der Größe 6204 mit beidseitiger Stahldeckscheibe in Edelstahlausführung. Diese Lager kommen in der Lebensmittelindustrie, in Reinraumanwendungen, in der Pharmatechnik und in feuchten Umgebungen zum Einsatz. Andere Hersteller verwenden für dieselbe Eigenschaft den Code S, etwa S6204-2Z, oder ergänzen die Hauptzahl mit dem Suffix S6.

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