Orbitalmotoren

Ein Orbitalmotor wandelt hydraulische Energie nach dem Gerotor-Prinzip in Drehbewegung mit hohem Drehmoment bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen um. Eingesetzt wird er in Land- und Forstmaschinen, Baumaschinen, Förderbändern und Lenkanlagen. Bei Partbase sind Orbitalmotoren in verschiedenen Schluckvolumina und Wellenformen verfügbar, ergänzt um passende Hydraulikkomponenten.

Orbitalmotor — Funktion, Aufbau und Auswahl

Der Orbitalmotor ist ein langsam laufender Hydraulikmotor, der nach dem Gerotor- oder Geroller-Prinzip arbeitet. Ein exzentrisch umlaufender Innenrotor setzt Drucköl in Drehmoment um — bei hohen Drehmomenten und vergleichsweise geringen Drehzahlen. Typische Anwendungen sind Förderbänder, Hydrolenkungen, Mähwerke, Bohrgeräte und Winden; bei Partbase sind verschiedene Schluckvolumina, Wellenausführungen und Anschlussvarianten für offene und geschlossene Kreisläufe verfügbar.

Funktionsprinzip eines Orbitalmotors

Ein Orbitalmotor nutzt einen Gerotor- oder Geroller-Verdrängersatz. Ein Innenzahnrad läuft exzentrisch in einem feststehenden Außenring mit einem Zahn mehr. Durch diese Bewegung entstehen wandernde Verdrängerkammern, in die das Drucköl über eine Steuerscheibe oder ein Tellerventil eingespeist wird. Der Innenrotor vollführt eine kombinierte Rotations- und Orbitalbewegung; das erzeugte Drehmoment wird über eine Kardanwelle auf die Abtriebswelle übertragen. Daraus ergibt sich ein hohes Anlaufmoment und ein gleichmäßiger Lauf bis in niedrige Drehzahlbereiche. Gegenüber Zahnrad- oder Axialkolbenmotoren liefert der Orbitalmotor mehr Drehmoment pro Bauvolumen, jedoch bei begrenzter Maximaldrehzahl. Die Steuerung erfolgt je nach Bauart über Scheibenventil, Tellerventil oder rollengeführte Disk-Valve-Steuerung.

Aufbau und Bauformen

Ein Orbitalmotor besteht aus Gehäuse, Verdrängersatz, Steuerventil, Kardanwelle und gelagerter Abtriebswelle. Kleine Baureihen wie OMM oder OML sind kompakt ausgeführt mit zylindrischer Welle Ø 16 mm. Mittlere Baugrößen wie OMP oder OMR arbeiten mit Schluckvolumen von rund 50 bis 400 cm³ und SAE-A-Flanschen. Große Baureihen wie OMS, OMT und OMV verwenden Tellerventilsteuerung, rollenbestückte Zahnradsätze und Kegelrollenlager für hohe radiale und axiale Belastungen. Verbreitete Merkmale im Überblick:

  • Schluckvolumen typischerweise 8 bis 800 cm³ pro Umdrehung
  • Betriebsdrücke bis 240 bar dauerhaft, Spitzen bis 350 bar
  • Wellenausführungen zylindrisch, konisch oder mit Keilprofil
  • Flansche nach SAE A, SAE B oder 4-Loch-Frontflansch
  • Einsatztemperatur etwa −40 °C bis +90 °C im Dauerbetrieb

Auswahlkriterien für die Anwendung

Die Auslegung richtet sich nach Drehmoment, Drehzahl, Volumenstrom und Betriebsdruck. Aus dem benötigten Drehmoment ergibt sich das Schluckvolumen; aus der Zieldrehzahl der erforderliche Pumpenförderstrom. Zu beachten sind die zulässige Radial- und Axialkraft an der Welle, da diese in Lenkungen oder Radantrieben hoch ausfallen kann. Für geschlossene Kreisläufe eignen sich Motoren mit Leckölanschluss und hohem zulässigen Rücklaufdruck. Ölviskosität und Filtration beeinflussen die Leckage im Verdrängersatz direkt. Bei sicherheitsrelevanten Antrieben ergänzen Lasthalteventile, Schockventile oder eine Lamellenbremse den Motor. Passende Steuerblöcke, Filter, Druckspeicher sowie Verschraubungs- und Messtechnik sind bei den auf Partbase gelisteten Herstellern verfügbar.

Abgrenzung zu anderen Hydraulikmotorbauarten

Orbitalmotoren konkurrieren je nach Anforderung mit Radialkolben-, Axialkolben- und Zahnradmotoren. Radialkolbenmotoren erreichen höhere Drehmomente und eignen sich für sehr niedrige Drehzahlen, sind aber größer und teurer. Axialkolbenmotoren arbeiten bei höheren Drehzahlen und Drücken mit besserem volumetrischen Wirkungsgrad, benötigen jedoch aufwendigere Steuerung und Filterung. Zahnradmotoren sind günstiger und robuster gegenüber Ölverschmutzung, liefern aber deutlich weniger Drehmoment pro Bauvolumen. Der Orbitalmotor bietet den besten Kompromiss aus Baugröße, Drehmomentdichte und Kosten für den mittleren Leistungsbereich in der Mobilhydraulik.

Typische Einsatzfelder

Orbitalmotoren werden dort eingesetzt, wo hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl direkt am Verbraucher benötigt wird. Kompakter Bauraum und einfache Montage machen sie für viele Antriebsaufgaben in der Mobilhydraulik geeignet.

Einsatzbereich

Typische Funktion

Geeignete Baureihe

Landmaschinen

Mähwerksantrieb, Förderschnecke

OMP, OMR

Baumaschinen

Lenkung, Lüfterantrieb

OMP, OMS

Förder- und Hebetechnik

Rollenantrieb, Winde

OMS, OMT

Forstmaschinen

Sägeketten- und Greiferantrieb

OMR, OMH

Schwermaschinenbau

Walz- und Umformantriebe

OMT, OMV

Wartung und Ersatzteile

Die Lebensdauer eines Orbitalmotors hängt von Ölqualität, Filtration und thermischer Belastung ab. Eine Filterfeinheit von 10 bis 25 µm sowie ein Wassergehalt unter 0,1 Prozent sind in den meisten Anwendungen anzustreben. Typische Verschleißteile sind Wellendichtring, Lagersatz, Steuerscheibe und O-Ringe; viele Hersteller bieten dafür konfektionierte Dichtungssätze an. Geräusch- oder Drehmomentverlust deutet meist auf einen verschlissenen Verdrängersatz oder eine eingelaufene Steuerscheibe hin. Druckmessungen im Service lassen sich über Messpunkte mit Stecknippeln direkt an den Motoranschlüssen durchführen. Bei sicherheitsrelevanten Antrieben empfiehlt sich der periodische Test von Lasthalteventilen sowie eine Sichtprüfung der Welle auf Riefen und Leckage.

FAQ

Ist ein Rotationsmotor dasselbe wie ein Orbitalmotor?

Nein, die Begriffe sind nicht gleichbedeutend. Rotationsmotor ist ein Oberbegriff für alle Hydraulikmotoren mit drehender Abtriebswelle, also auch Zahnrad-, Flügelzellen- und Kolbenmotoren. Der Orbitalmotor ist eine spezifische Bauart mit Gerotor-Verdrängersatz und exzentrisch laufendem Innenrotor, die sich durch hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl auszeichnet.

Welche Hydraulikmotortypen gibt es und wann ist ein Orbitalmotor die richtige Wahl?

In der Hydraulik werden Zahnradmotoren, Flügelzellenmotoren, Axialkolbenmotoren und Orbitalmotoren unterschieden. Orbitalmotoren sind dann vorzuziehen, wenn hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl direkt am Verbraucher benötigt wird, der Bauraum begrenzt ist und ein einfacher, kostengünstiger Aufbau gefordert ist, etwa in Lenkungen, Mähwerken oder Förderantrieben.

Wie berechne ich das passende Schluckvolumen für einen Orbitalmotor?

Das Schluckvolumen ergibt sich aus dem benötigten Drehmoment und dem verfügbaren Betriebsdruck. Als Näherungsformel gilt: Schluckvolumen in cm³ entspricht Drehmoment in Nm mal 62,8 geteilt durch den Druck in bar. Die Zieldrehzahl bestimmt den erforderlichen Pumpenförderstrom. Für Wirkungsgrad und Lastspitzen empfiehlt sich ein Reserveaufschlag von etwa 15 bis 20 Prozent.

Welches Hydrauliköl ist für den Betrieb eines Orbitalmotors geeignet?

Empfohlen werden mineralische Hydrauliköle der Klasse HLP nach DIN 51524-2 mit Viskositäten zwischen ISO VG 32 und VG 68. Die Betriebsviskosität sollte zwischen 12 und 100 mm²/s liegen, der Reinheitsgrad nach ISO 4406 mindestens 20/18/15. In Land- und Forstmaschinen kommen häufig biologisch abbaubare Öle der Klassen HEES oder HETG zum Einsatz.

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